Die Geschichte des GTP-13

 

Um die Geschichte des GTP-13 zu verstehen, müssen wir zurück in das Jahr 1968. Als 18-jähriger hatte ich damals unter meinen Idolen neben den Beatles auch Jochen Rindt erwählt. Damit wurde ich ein glühender und technisch interessierter Fan des Motorsports.

Eines Tages blieben meine Augen in einem Motormagazin an einem 3 x 5 cm großen Bild eines Prototypen hängen.      

Quelle: ALLEN, J.S. Ford GT40. Osprey Publishing, London (1991), S 127. ISBN: 1 85532 123 8.
Quelle: ALLEN, J.S. Ford GT40. Osprey Publishing, London (1991), S 127. ISBN: 1 85532 123 8.

Es war der Ford P68 F3L, mit dem man damals die Sportwagen-WM bestreiten wollte. Für mich war schon allein die Silhouette des Wagens der Inbegriff von Rasanz, Stromlinienform und Schönheit. Einfach genial. Damals in den späten 1960ern baute man noch ohne Windkanal und ohne Computer die allerschönsten Rennfahrzeuge, man nennt  sie heute "Supersportscars". Sie werden auf ewig sündteure und bestaunte Ikonen bleiben.

Doch aus unerfindlichen Gründen bekam ich genau dieses Fahrzeug, den Ford F3L nie mehr wieder zu Gesicht.

Erst 33 Jahre später war es wieder so weit. Wir weilten in England beim legendären "Festival of Speed" in Goodwood. Diese Veranstaltung ist der jährliche Höhepunkt, das "Non plus ultra" für hochklassige Rennfahrzeuge aus der etwa 100-jährigen Geschichte des Motorsports. Hier tauchte der Ford F3L plötzlich wieder auf der Zielgeraden auf.

Er war noch genau so umwerfend, wie ich ihn in meiner Erinnerung bewahrt hatte. Mit der einzigartigen Unterlippe, den Flügeltüren, tief im Fahrtwind geduckt und umhüllt von Sound des rassigen Ford Cosworth DFV. Wir rannten in die Box. Da war er nun, genau so, als hätte er auf mich gewartet.

1000 Fragen hätte ich ihm gerne gestellt und ihm meine Bewunderung ausgesprochen. Seine Rundungen, gepaart mit Eleganz, der Duft nach Öl und Benzin, all die Zeiger am Armaturenbrett und die fetten Reifen - ich fühlte wie beim Zusammentreffen mit einem verloren geglaubten Freund.

Die letzten von Neugier gezügelten Fragen zu dem Prachtstück erhielten wir dann in den folgenden Wochen beantwortet. Von dem traumhaften Fahrzeug, dem F3L, hatte es seit jeher nur 3 Stück gegeben. Ein unerfüllbarer Traum also! Allein für einen F3L hätten wir unser mit so viel Herzblut erbautes Eigenheim gleich fünfmal verkaufen müssen.

Was uns von dem F3L nur blieb, waren spärliche Informationen, Fotos aus dem Internet und schmierigen, abgegriffenen Magazinen.

Aber irgendwie wollte der Traum nicht verfliegen - ganz im Gegenteil. Der Kreis begann sich zu schließen. Mein Sohn Alex brachte gerade die letzten Sprossen der Leiter zum Diplomingenieur hinter sich. Da erreichte mich eines Tages urplötzlich sein Anruf mit einem kurzen "Servus Tate!" und er schloss gleich mit dem Nachsatz: "Dieses Auto bauen wir ganz alleine!" Dieser Anruf war der Startschuss für unsere Arbeiten am GTP-13*.

Um alles Weitere von unserem Vorhaben zu verstehen, muss man wissen, dass der F3L aus unglücklichen Umständen heraus ein erfolgloser Rennwagen geblieben war. Ihm fehlte es grundsätzlich an Zeit und Geld, um zu reifen. In wenigen Rennen hatte er eine einzige Poleposition erzielt. Leider konnte er meist aus technischen Gründen keines erfolgreich beenden.

Auf der folgend verlinkten Seite ist ein Überblick über die Rennergebnisse des Fahrzeuges zu finden.

Aber trotz seiner Erfolglosigkeit hatte der F3L etwas an sich, was in jeder Hinsicht perfekt war - seine unschlagbar elegante Form. Als hätte ihn Michelangelo entworfen. Die äußere Linienführung des F3L haben wir deshalb im weitesten übernommen. Solche Schönheit muss man nicht neu erfinden.

Alles andere aber - das Chassis, die Radaufhängungen, der Antrieb etc. - wurde neu erdacht, konstruiert, berechnet und hergestellt. Das nahm unsere Freizeit der letzten 8 Jahre in Anspruch, gesamt etwas mehr als 8000 Arbeitsstunden.

Allein in den Prozess der Konstruktion und Berechnung investierten wir ungefähr 3000 Arbeitsstunden, was zeigt, dass ein stattlicher Entwicklungsaufwand in den GTP-13 geflossen ist. Damit denken wir, beim GTP-13 eine höhere technische Reife erzielt zu haben, als sie der Ford F3L besaß. Neben diesem Ziel haben wir uns im Entwicklungsprozess ständig an zwei Leitmotive gehalten:

Erstens sollte der GTP-13 im Stil ein "Supersportscar" der 60er Jahre sein und

zweitens sollte er das geringst mögliche Gewicht aufweisen. Dafür zitieren wir gerne den legendären Lotus Chefkonstrukteur Colin Chapman, der stets darauf pochte: "Mit einem starken Motor bist du auf den Geraden schnell, mit einem leichten Auto überall."

 

Rudolf

*...GTP-13 ist eine Abkürzung für Gran Turismo Prototyp 2013. Die Konstruktionsarbeiten daran waren 2013 weitgehend fertiggestellt.